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It-Piece des Jahres: Der modische Aspekt hinter der Maske

Zurzeit bietet eine Mund-Nasen-Maske in Baumwoll- oder Papieredition teils zweckmäßigen Fremdschutz in der Öffentlichkeit, gleichzeitig wird dieser Schutz für den Privatgebrauch auch als Akt der Solidarität angesehen. Von der Corona-Krise mal ganz abgesehen, werden mit der Maske jetzt auch modische Zeichen gesetzt, wie es seit je in der japanischen Kultur oder auch für bestimmte Designer der Fall war und noch ist.  

Maske auf, Tür auf und los ins Gefecht: Na gut, ein Gefecht ist es nun gerade nicht – sobald die Haustür verlassen wird, taucht man ja gefühlt in eine andere Welt ab, weil man nur noch in der virtuellen abhängt und leicht dazu neigt, jedes vermeintliche Gedankengut im Internet mitzulesen.  
Aber so dramatisch muss man das Ganze nach wie vor nicht sehen – natürlich, solange hygienische Maßnahmen und Abstandsregeln eingehalten werden. Die Maske in meinem Gesicht gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, lässt mich auch ein wenig überlegen wirken, weil ich vermutlich zu viel Sido gehört habe. Die Reaktionen der entgegenkommenden Fußgänger eher wechselhaft. Hier und da ein paar längere Blicke oder ein freundliches schmunzeln beim Anstehen an der Kasse. Aber es erregt Aufsehen. Ohne dabei gleich Panik und Unwohlsein auszulösen: Die Maske kann bald ein großer Teil unseres öffentlichen Auftretens werden.

Japaner neigen dazu, aus allem Kunst zu machen, was ihnen Angst macht. Seit in Japan 1918 die Spanische Grippe ausbrach, hat sich der Alltagslook mit Maske kaum verändert. Von da an gewöhnten sich die meisten aus praktischen Gründen daran. Über die Jahre zeigten sich viele positive Eigenschaften, die die Japaner weiterhin schätzen. In der Maske kommen besonders die Augen zur Geltung und das Gesicht wirkt dadurch insgesamt schmaler. Außerdem hat es für Frauen einen kosmetischen Vorteil, sodass das Make-Up keine große Rolle mehr spielen muss.
Der Auslöser hatte zwar einen gesundheitlichen Hintergrund, aber wurde stets modisch fortgesetzt, sodass auch Modedesigner Gefallen an der Optimierung der Atemschutzmaske fanden.

Sowie die französische Modedesignerin Marine Serre. Vor der Corona-Pandemie entwickelte sie die Fall-Winter 2020 Ready-To-Wear Kollektion für die Paris Fashion Week Ende Februar, wobei auch mehrere Kombinationen mit Maskenbedeckung herausstachen. Und das nicht zum ersten Mal. Die vorherige Fall-Winter Kampagne „Radiation“, die im Februar 2019 in Kollaboration mit dem Hightech-Masken-Start-Up „R-Pur“ präsentiert wurde, wird momentan bei Farfetch beworben. Diese Art von Masken sind ergonomisch geformt und gelten laut Aussagen ihres Modehauses als Atemschutzmaske gegen Luftverschmutzung. Ein andauernder Gebrauch von Masken macht stutzig, gewinnt dank aufeinanderfolgenden Kollektionen jedoch an Bedeutung. Kurz vor ihrer Fashionshow in Paris Anfang diesen Jahres beschrieb sie ihre Gedanken laut Vogue wie folgt: “Es ist im Moment ziemlich stürmisch, aber wir müssen darin eine Zukunft sehen. Es geht darum, dass wir uns dort wiederfinden, sie verstehen und umarmen.”
Modemutige zieht der futuristische Stil dieser Masken-Mode an. Unter Serre‘s Variationen steckt hybride Mode – Mode, jenseits der eigenen Vorstellungskraft: Darf es eine weiße Kopfbedeckung mit spitzen Blumen als Augen, eine schwarze Samt-Ski-Maske mit Glitzer-Details an der Mundpartie oder vielleicht doch das klassische Karo-Design passend zum Karo-Mantel sein? „Vielleicht müssen wir in zehn Jahren täglich Atemschutzmasken tragen“, erwähnte die Designerin nach ihrer „Radiation“-Show.  

Mittlerweile hat die Modebranche so einige Angebote entwickelt, wobei Kleinunternehmen sich bereits großen Modeketten anschließen und auf eine Masken-Produktion umschwenken. Sei es für einen wohltätigen Zweck zur Bekämpfung des Virus, um medizinische Einrichtungen zu unterstützen, wie Dior, H&M, Trigema und Prada es tun oder zum Eigennutzen, um sein Unternehmen am Laufen zu halten und Privatpersonen damit zu versorgen. Aber auch Streetwear-Labels, wie Supreme und Off-White wollen mit eigenen Masken modische Zeichen setzen, wie sie es in den Jahren davor auch auf Festivals taten.

Neben Designern und Modeunternehmen, haben hinzukommend Modeliebhaber und Celebrities ein Gespür für die Maske entwickelt. So hat die Influencerin Marina Ingvarsson eine Streetstyle- Kombination während der New York Fashion Week Anfang Februar vorgeführt, wo es noch nicht üblich war eine zu tragen. Ihr Look, zu einer schwarzen Papiermaske, besteht aus einem orangenen langen Puffer Coat, darunter trägt sie einen hellblauen Mantel mit Gürtel, der das blau ihrer Handtasche aufgreift.
Gwyneth Paltrow schließt sich daneben der klassisch-schwarzen „Urban Air Mask“ -Variante des Labels Airinum an, die an einem speziellen fünfschichtigen Filtersystem festhalten und kombiniert es mit ein paar feinen Goldketten. Das It-Girl Olivia Palermo hat zuletzt eine Kombi aus schwarzem Pelzmantel, gelbem Sweater, Jeans und Leder-Ankle Boots mit gelben Woll-Details aus ihrer eigenen Kollektion bei Instagram sehen lassen, wobei sie als Maske ein einfaches weißes Tuch verwendet. In ihrem Beitrag plädierte sie des Weiteren für kreative Masken-Ideen, um den medizinischen Hilfskräften die professionelleren Modelle zu überlassen. „Safety, but make it fashion“, schreibt sie.
Es gibt mehrere Alternativen, um seiner Garderobe mit einer ähnlichen Bedeckung einen Style-Kick zu verpassen. Viele probieren sich gerade aus und erstellen eigene Masken-Kreationen mithilfe von Nähmaschinen und DIY-Tutorials. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn man mal bedenkt, dass Atemschutzmasken schon vor einem Jahr auf Laufstegen präsentiert wurden, ist es doch jetzt die richtige Gelegenheit, sie beim Rausgehen an der frischen Luft oder zum Einkaufen auszuführen. Eine Maskenpflicht, so wie in Jena oder Österreich, sollte uns demnach nicht gleich verunsichern, sondern zu einem freiwilligen Schutz verleiten, der uns unerschrocken und taff aussehen lässt.

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#saveyourlocalbrand – local brands // teil 3
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