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Der Zwiespalt zwischen der Onlinewelt und dem stationären Modehandel

Endlich können lokale Geschäfte schrittweise wieder betreten werden. Nach wochenlangem Corona-Shutdown ist es seit letztem Montag gestattet die Tätigkeiten ein wenig auszuweiten und nach dem Einkaufen auch Mal rüber ins Modegeschäft zu spazieren. Aber wo bleibt die Nachfrage, wenn das Angebot stimmt?

In den Fashion-Stores angekommen, ist der Raumduft erfüllt von der neuen Sommerkollektion an der Kleiderstange, der frisch polierte Boden glänzt und die Schaufensterpuppen zieren verschiedenste Looks zum Begeistern und Ankleiden, mit oder ohne Maske. Von lästigen Kassenschlangen, unfreundlichen Verkäufern oder ausverkauften Artikeln fehlt jede Spur. Die sonst so üblichen Kauferlebnis-Killer treiben sich nun im Online-Handel herum. Für diejenigen, die kein Online-Shop in der Zeit des Shutdowns hatten und immer noch ohne verweilen, ist es weiterhin ein Kampf. Zu der Zeit blieb das Schaufenster ihr einziges Lockungsmanöver, um wenigstens lokal Werbung zu machen und zu hoffen, dass man bald wieder öffnen kann. Selbst der Tourismus, auf den viele Läden auch in Hamburg hoffen, hinterlässt eine enorme Lücke.

Weitermachen ohne Online-Shops: In Concept-Stores (kleine Läden mit Gespür für trendige und hochwertige Vielfalt) gibt es teilweise das Problem, dass ausgewählte Kleidungsstücke nur in geringen Mengen vorhanden sind. Wenn ein Kleid nur noch in zwei Größen erhältlich sei und mit Make-Up Flecken wieder zurückkomme, würden sich Personal und Lieferketten am Ende nur dieselben Sorgen beim Rückversand teilen, erklärt mir die Geschäftsführerin eines stationären Ladens. Deshalb ist der Online-Handel an dieser Stelle keine Option.

Ich habe mich mit einzelnen Store-Inhabern unterhalten, die mit gemischten Gefühlen im Laden umhergeistern. Für Kunden bleibt der sonst so übliche Frust wegen vorrätiger Ware aus. Dafür bleibt der Frust an den Geschäftsführern hängen, da sich momentan viele mit dem Kauf der Waren zurückhalten. Ich habe beobachtet, dass Passanten vereinzelt ans Schaufenster herantraten, lange schauen und zögerlich vorm Eingang stehen blieben, aber am Ende nicht den entscheidenden Schritt wagen. Stattdessen finden nur kurze Besuche statt. Ein bis zwei Runden über die Ladenzeile, um die Auswahl zu betrachten und zu berühren – nur wenige zücken danach das Portemonnaie. Was eben verständlich ist, denn das Geld springt momentan nicht jedem um die Ohren.

„Meine ganze Familie ist davon betroffen. Sie sitzen gerade alle Mann, Ehepartner und Kinder inbegriffen, hinten im Lager und packen an, wo es eben geht“, berichtet mir eine Ladenbesitzerin aus Hamburg. Das Personal wurde bis auf Weiteres entlassen. Andere Geisterläden haben verkürzte Öffnungszeiten und öffnen erst gar nicht, um Kosten einzusparen. Zusammenhalt wird auch unter den lokalen Geschäften großgeschrieben. Besteht keine lokale Modevielfalt, bleibt auch die Kundschaft und somit der Handel vor Ort aus.

Genauere Daten zum Verbraucher- und Branchenverhalten während der Corona-Krise liefert der „State of Fashion“ Report der Unternehmensberatung McKinsey & Company sowie der Medienplattform Business of Fashion (BoF), die Anfang April einen Ausblick in die 12- bis 18- monatige Phase nach der Krise vorlegen. „Die Krise wirkt sich auf unser tägliches Leben aus und flößt vielen Menschen Angst ein. Das Klima ist infolge der hohen Arbeitslosigkeit und der Einschränkungen im Alltag alles andere als konsumfreundlich“, sagt Achim Berg, Experte für die Mode- und Luxusindustrie bei McKinsey. Die Quarantäne-Stimmung bei den Verbrauchern spiegelt sich also auch in ihrem gesellschaftlichen Handeln wider. Viele beklagen, dass es kaum Gelegenheiten gebe, um ihre Mode auszuführen. Dabei bestehen trotzdem noch „Ausgeh“-Möglichkeiten wie in Parks oder auf den Straßen rumzulaufen – Ich meine, es gibt nicht umsonst Streetstyle und Athleisure Wear. Dafür braucht es nicht unbedingt ein großes Publikum. Und laut Berg kann es auch zu neuen Chancen in der Modebranche kommen. 

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Obwohl die Modebranche sowohl online als auch stationär ausgelastet ist, können bestimmte Themen wie Digitalisierung, Discount, Nachhaltigkeit oder innovative Mode weiter ausgeweitet und stärker verfolgt werden. Die sogenannte Konsumquarantäne kann auch positive Veränderungen für die Modebranche bedeuten, indem über Neugestaltungen und Ausweitungen der Mode in dieser Situation gesprochen wird. So werden die ein oder anderen vielleicht inspiriert und lassen sich vom klassischen Modegeschäft um die Ecke überzeugen.

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#saveyourlocalbrand – local brands // teil 4